Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung 03.12.2020

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung 03.12.2020

Im Gespräch mit Frau Zydek – Geschäftsführung Hand in Hand e.V.

Sozialtherapeutische Lebens- und Arbeitgsgemeinschaft

Projektstandort: Sehlbergweg 45, 57319 Bad Berleburg-Aue

 

 

Zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 03.12.2020 waren wir im Gespräch mit der Geschäftsführung der sozialtherapeutischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft „Hand in Hand e.V.“ in Bad Berleburg-Aue.
Auf dem Sehlberghof am Fuße des Rothaargebirges betreiben die Mitarbeiter und Bewohner der Einrichtung eine biologisch-dynamische Landwirtschaft. Das Leben in und mit der Natur und die Selbstversorgung mit Lebensmitteln sind von zentraler Bedeutung für das sozialtherapeutische Wirken.
Betriebsbeschreibung Sehlberghof
Unser Hof liegt am Fuße des Rothaargebirges. Die Landwirtschaft umfasst 16,2 ha Grünland, 2,7 ha Ackerfläche und Garten, 6 Mutterkühe mit Nachzucht, 2 Pferde und diverse Kleintiere wie Ziegen, Schafe etc.

Eine Kurzbeschreibung zum Leben auf dem Hof aus Sicht von Frau Zydek:
„Wir verstehen uns als eine anthroposophisch orientierte Gemeinschaft, in der erwachsene Menschen mit und ohne Hilfebedarf leben und arbeiten. Entwickelt hat sich der Verein aus einer Initiative von Eltern und Lehrerinnen der Johanna-Ruß-Schule, heilpädagogische Waldorfschule in Siegen. Gründungsjahr Hand in Hand e.V.: 2008
Aktueller Stand von Mitarbeiterinnen mit und ohne Hilfebedarf : 31
Hand in Hand ist anerkannte Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst BFD und FSJ, bietet Sozialpraktika, Schülerpraktika und die Möglichkeit für ein Anerkennungsjahr HEP an.
Bei Interesse können sich junge Menschen gerne für eine Praktikumsmöglichkeit mit uns in Verbindung setzen.“

Zum Bereich Arbeitsbereich/Werkstatt berichtet uns Frau Zydek folgendes:
„Für Menschen mit Hilfebedarf bieten wir 15 Arbeitsplätze.
Davon sind momentan 9 weibliche Mitarbeiterinnen und 6 männliche Mitarbeiter tätig.
Auf dem Sehlberghof sind Arbeitsplätze in den Bereichen Landwirtschaft (Demeter), Hauswirtschaft und Weberei entstanden. Garten- und Landschaftspflege, Brennholzverarbeitung und eine Kreativwerkstatt runden jahreszeitlich das Angebot ab. Es besteht eine Kooperation mit den AWO Siegener Werkstätten (WfbM).“

Zum Bereich Wohnen in der Gemeinschaft gibt es Wohnplätze in zwei Gruppen der gemeinschaftlichen Wohnform mit 15 Bewohnerinnen. Die Menschen mit Hilfebedarf werden im Alltag und in der Freizeit heilpädagogisch und sozialtherapeutisch begleitet. Es gibt je Wohngemeinschaft eine Gruppenwohnung mit Küche, Wohn- und Essraum und Büro, darüber hinaus hat jede/r ein individuell gestaltetes Einzelzimmer.“

Die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Hand in Hand e.V.
1. Aspekte der anthroposophischen Sozialtherapie

Der Mensch ist mit seiner dinglichen, sozialen und ideellen Umgebung existentiell verknüpft. Er erlebt sich ausgestattet mit seinem individuellen kognitiven, emotionalen
und motorischen Fähigkeitsprofil als mit seinem Werkzeug, das ihn an den Vorgängen seiner Umgebung teilhaben lässt.

Hierin macht er die Erfahrung, dass er beheimatet ist im Feld seines Könnens, dass er im Zusammenwirken mit anderen Menschen Hilfe erfährt und Hilfe leistet zu gegenseitigem Ausgleich bestehender Unzulänglichkeiten, und dass er als übender Mensch sich so entwickeln kann, dass seine Fähigkeiten wachsen und ihn immer geeigneter machen, um in den Gegebenheiten der Welt verantwortlich mitzugestalten.

Dass der Mensch diese drei Aspekte seines Wesens verwirklichen kann, ist Voraussetzung dafür, dass seine Menschenwürde gewahrt wird.

Nach dem anthroposophischen Menschenbild wird Behinderung nicht als Ausdruck
des Persönlichkeitskernes angesehen, sondern als körperlich bedingte Beeinträchtigung einer als uneingeschränkt geltenden Lebensentfaltung. Dieser unversehrte Persönlichkeitskern, das Ich des Menschen, spricht sich dagegen in dem aus, was mit Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und Selbsterziehung bezeichnet werden kann. Es ist das Ziel anthroposophisch fundierter Sozialtherapie, Lebensorte zu schaffen, wo Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf sich als werdende wahrnehmen können. In solchen Gemeinschaftsformen sehen wir den Ausgangspunkt für den Weg zu inklusiver Lebenspraxis.

2. Leitlinien
Wir verstehen uns als eine Gemeinschaft, in der erwachsene Menschen mit und ohne Hilfebedarf leben und arbeiten.

Wir fühlen uns in der Sozialtherapie der Persönlichkeitsentwicklung, der Übung von Verantwortung, der Gestaltung von Beziehungen, der Entwicklung von Identitätsempfinden und einer immer wieder neu zu belebenden Freude an der Arbeit und der Verwirklichung von persönlichen Zielen der Menschen mit besonderen Bedürfnissen verpflichtet.

Wir gestalten Lebensformen für uns alle gleichermaßen, denn wir bemühen uns, eine Gemeinschaft mit und nicht in erster Linie für Menschen mit Hilfebedarf zu sein.

Wir bieten einen geschützten Raum in dem Individualität sich entfalten und gelebt werden kann.

Wir sind offen nach Außen und vernetzen uns in der Region. Einige Mitarbeiterinnen wohnen auf dem Gelände und in den Wohngruppen, andere nicht.

Die Landwirtschaft erachten wir als lebensnotwendige Grundlage für uns alle, die Landwirtschaft erdet uns, wir sind in ihr verwurzelt und können mit ihr nachhaltig wachsen. Eine Weberei und eine Hauswirtschaft runden das Arbeitsangebot ab.

Das Handwerk, zum Beispiel unsere Weberei am Hof bietet Arbeitsplätze, die wir auf die Menschen und Ihr individuelles Fähigkeitsmuster abstimmen können.

Die Hauswirtschaft verknüpft alle Bereiche als soziales Begegnungszentrum.
Hier werden Tischgespräche geführt bei den achtsam zubereiteten Mahlzeiten und wir erleben unsere Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln als gemeinsam erarbeitete Leistung.

 

Nähere Infos zum Sehlberghof: http://www.handinhand-sehlberghof.de