Element: Wasser Kneipp´sche Wasseranwendungen für zuhause

Element: Wasser Kneipp´sche Wasseranwendungen für zuhause

Kneipp-Aktionswochen: Praktische Tipps für zuhause

Kneipp für zuhause – wie dies funktioniert, hat der erfahrene Therapeut Rolf Schmerer (Leiter der Physikalischen Therapie der Baumrainklinik a.D.) jetzt am Tretbecken der Espequelle in Bad Berleburg erklärt – in einem sehr kleinen und Corona-gerechten Rahmen. Den gesamten Vortrag zu den Kneipp‘schen Wasseranwendungen und Tipps für die Anwendungen zuhause gibt es aber kostenlos zum Download und nachlesen im Internet unter www.bad-berleburg.de/Kneipp-Kurort-Jubiläum. Dort findet sich außerdem eine Bildergalerie zu der Aktion im kleinen Rahmen – mit Fotos zu den Anwendungen, aber auch vom Brotbacktag des Verkehrs- und Heimatvereins Bad Berleburg, der mit einem kleinen Team aktiv war. Am gleichen Tag gab es frisch gebackenes Brot im Backhaus an der Espequelle.

 

Bildunterzeile:

Foto PM Kneippvortrag: Rolf Schmerer leitete an, Melina Jabir und Melina Grebe setzten die Tipps des Referenten zum Wassertreten direkt im Tretbecken an der Espequelle in Bad Berleburg um.

Foto: Kappest Naturfotografie Schmallenberg

Das Element Wasser in der Kneipptherapie

-Wasseranwendungen für Zuhause-

 

„Im Wasser ist heil!“ Allein dieser Satz von Sebastian Kneipp verdeutlicht den zentralen Stellenwert des Elements Wassers in der Kneipp-Therapie. Neben Wasseranwendungen (Hydrotherapie), wie zum Beispiel Wassertreten, Güsse, Bäder und Waschungen, gehören die

Bewegungstherapie: regelmäßige, aber sanfte körperliche Betätigung

Ernährungstherapie: ausgewogene Ernährung nach dem Prinzip der vollwertigen Mischkost

Pflanzenheilkunde: die Wirkung der Heilpflanzen bei unterschiedlichsten Beschwerden

und die

Ordnungstherapie: Gesund und zufrieden kann nur derjenige sein, der mit sich und seinem Leben im Reinen ist

zu den fünf Säulen des ganzheitlichen Konzepts des Wasserdoktors.

Über die Heilkraft des Wassers ließen sich abendfüllende Vorträge halten. Denn wer kennt sie nicht, die Geschichten von Wunderquellen und heilenden Gewässern. Das Element Wasser spielt seit Menschengedenken eine große Rolle. Kein Wunder, denn es ermöglicht erst das Leben auf der Erde. Auch in den Religionen wird die reinigende Kraft des Wassers beschworen. Vom rituellen Bad im Ganges, das die Hindus praktizieren, über die rituelle Gebetswaschung vor dem Betreten der Moschee im Islam und die Mikwe, dem Ritualbad der Juden mit fließendem, reinen Wasser, bis hin zur Taufe im Christentum. Auch die Segnung mit Weihwasser in der katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirche ist ein Beispiel für die besondere Bedeutung des Elements Wasser im religiösen Kontext.

Wasser ist für die menschliche Gesundheit von großer Bedeutung

Der Mensch besteht zu 70% aus Wasser und so führt ein Mangel an Wasser zu erheblichen gesundheitlichen Problemen (Dehydration). Die Muskelzellen werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Kurz gesagt: Ohne Wasser, kein Leben. Kein Wunder also, dass dieses Element einen sehr großen Einfluss auf unser Wohlbefinden hat. Für Kneipp galt der Grundsatz: Wasser und Gesundheit gehen Hand in Hand. Diese Erkenntnis kam ihm nicht zufällig. Zwei Jahre lang an Tuberkulose erkrankt, wagt er den Selbstversuch mit täglichen Bädern in der kalten Donau. Bald schon fühlt er sich besser und frischer und nach drei Jahren regelmäßiger Bäder und Wassergüsse verschwindet die Tuberkulose schließlich ganz. Sebastian Kneipp, der mittlerweile zum Priester geweiht wurde, beginnt seine Erfahrungen und Erkenntnisse auch an Patienten anzuwenden, wodurch er unter anderem eine an Cholera leidende Frau vollständig heilt. Schnell wird Kneipp als Wasserdoktor bekannt und mit seinem Buch „Meine Wasserkur“ gelingt Ihm schließlich der große Durchbruch.
Es gibt etwa 120 Wasseranwendungen nach Pfarrer Kneipp. Zum Einsatz kommen Güsse, Bäder, Wickel und Waschungen, wobei kaltes Wasser sein Mittel der Wahl ist. Warmes Wasser kommt meist nur im Wechsel mit kaltem zum Einsatz.

Warum kompliziert, wenn‘s auch einfach geht. Mit dem Element Wasser wurde uns ein geniales, schonendes Hilfsmittel geschenkt. Kneipp‘sche Wasseranwendungen wirken sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden aus. In Kombination mit den anderen vier Säulen, sind wir auch heute noch bestens für ein gesundes Leben beraten.

Bevor Sie nun ihre ersten eigenen Erfahrungen mit den Wasseranwendungen nach Sebastian Kneipp machen, sollten Sie unbedingt folgendes beachten: Bei schweren Erkrankungen sollten Sie unbedingt erst Ihren behandelnden Arzt befragen, ob diese Form der Therapie für Sie empfehlenswert ist. Dies sollte auch geschehen, wenn Sie gedenken, Ihre Kinder mit kalten Güssen ein wenig auf Trab zu bringen. Die Kneipp-Therapie eignet sich hervorragend zur Behandlung vieler sogenannter Volkskrankheiten. Die Wirkung der Wasseranwendungen bleibt dabei nicht nur auf den Reizort beschränkt. Sie erstreckt sich – vermittelt über das vegetative Nervensystem sowie hormonelle Botenstoffe – über den ganzen Körper. Dies spürt man z.B. sehr deutlich nach einem kalten Knie Guss, der den ganzen Körper belebt. Durch ein regelmäßiges Wiederholen der Anwendungen stellen sich mehrere positive Effekte, wie die Stärkung der Abwehrkräfte, eine verbesserte Durchblutung sowie die Stärkung von Kreislauf und Nervensystem, ein.

Beginnen Sie Ihre Kneippkur zuhause unbedingt mit kleinen Anwendungen um Ihrem Körper Zeit zu geben, sich an die unterschiedlichen Reize zu gewöhnen und diese zu verarbeiten. Der Satz „Viel hilft viel“ trifft nicht auf die Kneipptherapie zu. Generell gilt: Kleine Reize regen an, mittlere Reize stärken, zu starke Reize zerstören. Besonders für die ersten beiden Wochen Ihrer „Kur“ eignen sich ein Wechsel-, Fuß- oder Armbad, ein kalter Knie- oder Arm Guss und das Wassertreten besonders. Sie sollten eine Stunde vor und nach der Anwendung nicht essen und auch nicht rauchen.

Bitte führen Sie die Therapie in einem gut geheizten Raum durch. Bitte führen Sie keine Kalt- oder Wechselanwendungen durch, wenn Sie frieren. Dies würde zu unerwünschten Fehlreaktionen führen.

Für den Kneippguss zuhause genügt es, den Brausekopf Ihrer Dusche abzuschrauben und schon kann es losgehen. Bitte regulieren Sie den Wasserdruck so, dass das Wasser den Körperteil, den Sie behandeln, sanft umschließt (Wassermantel). Beginnen Sie immer Herzentfernt, also an der Außenseite des rechten Fußes oder an der rechten Hand. Führen Sie den Wasserschlauch langsam nach oben (beim Knie Guss bis etwa handbreit oberhalb der Kniescheibe, beim Arm Guss bis oberhalb der Schulter) und wieder herunter. Führen Sie dies 2 – 3 Mal aus und wiederholen Sie das Ganze auf der linken Seite für jeweils 15 – 30 Sekunden. Beim Wechselguss beginnen Sie immer mit warmem Wasser und einer Temperatur von ca. 36 Grad. Die Warmphase sollte so lange durchgeführt werden, bis ein deutliches Wärmegefühl vorhanden ist (ca.1 Min.). Dann folgt die Kaltphase für ca. 10 – 20 Sekunden. Anschließend wird das Ganze ein weiteres Mal wiederholt. Nach Wechsel- oder Kaltanwendungen wird das Wasser nur abgestreift und durch Bewegung (wie einen kurzen Spaziergang) für Wiedererwärmung gesorgt. Alternativ können Sie sich aber auch für ca. 15 -30 Minuten ins Bett legen.

Für ein Wechsel-, Fuß- oder Armbad benötigen Sie zwei entsprechend große Gefäße. Das eine wird mit ca. 37 Grad warmem Wasser gefüllt, das andere mit etwa 15 Grad kaltem Wasser. Beginnen Sie mit einer 5 minütigen Warmphase, gefolgt von einer 10 – 20 sekündigen Kaltphase. Danach wiederholen Sie beide Phasen ein zweites Mal. Auch hier wird das Wasser wieder nur abgestreift und für Wiedererwärmung gesorgt. Anfangs sollten Sie mit einer Anwendung täglich beginnen. Ab der zweiten Woche können Sie eine zweite Anwendung pro Tag durchführen. Idealerweise vormittags eine Wechselanwendung und nachmittags oder abends eine Kaltanwendung.

Für zuhause bestens geeignet sind auch das Wassertreten (in der Badewanne), der kalte Gesichtsguss, die Wechseldusche, medizinische Teil- und Vollbäder mit Zusatz, sowie Wickel und Auflagen. Dem Internet sei Dank, finden Sie auch dort die ausführliche Beschreibung zur Durchführung der Therapien mit den entsprechenden Indikationen.

Die Wasseranwendungen nach Kneipp können zur Vorbeugung von Krankheiten, aber auch begleitend zu einer schulmedizinischen Therapie angewendet werden.

  • Kreislaufregulationsstörungen, niedriger Blutdruck und funktionelle Herzbeschwerden
  • Schlafstörungen und Abgespanntheit
  • Stress und Erschöpfung
  • Schlafstörungen und Depressionen
  • Infekt Prophylaxe
  • Wetterfühligkeit
  • bei Störungen des Wärmehaushalts, z.B. Kalte Füße, Hitzegefühl in den Beinen
  • Kopfschmerzen
  • Krampfaderleiden
  • rheumatische Erkrankungen
  • periphere Verschlusskrankheit(paVK) Stadium 1 und 2 bei der es zu Durchblutungsstörungen in Armen und Beinen kommt (Schaufensterkrankheit)
  • akute schmerzhafte Funktionsstörungen des Bewegungsapparates z.B. Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, chronisch-degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen (Arthrose)
  • Prellungen und Blutergüsse nach Verletzungen
  • Anregung des Stoffwechsels beim metabolischen Syndrom
  • Hämorrhoidalleiden und Fissuren
  • Menstruationsbeschwerden
  • Krampfaderleiden
  • Atemwegserkrankungen
  • Gallen- und Nierenkoliken
  • akute grippale Infekte
  • chronische Verstopfung, BlähungenIn diesem Sinne: „Wasser marsch!” – und „Bleiben Sie gesund!”
  • Kombinieren Sie Ihre „Wasserkur“ mit den anderen vier Säulen der Kneipp-Therapie. Vor allem mit einer gesunden Ernährung und ausreichender Bewegung.