Die Pandemie und Ihre Folgen – die Pandemie und unsere Gesundheit –

Die Pandemie und Ihre Folgen – die Pandemie und unsere Gesundheit –

Corona bremst uns alle aus; lässt uns vorsichtig sein; zurückhaltend und auf Distanz anderen Menschen gegenüber gehen; lässt öfters alleine, manchmal einsam und isoliert.

Denn die möglichen Auswirkungen im Falle einer Erkrankung können uns ernsthaft langfristig schädigen; deshalb halten wir uns an die Regeln, welche Wissenschaft und Politik vorgeben.

Wir dürfen nicht mehr:

  • ohne Maske in das Geschäft gehen
  • ins Konzert gehen
  • Freunde unbestimmter Anzahl treffen
  • ins Fitnessstudio gehen
  • im Hotel übernachten
  • in den Urlaub fahren
  • einen Kurztrip am Wochenende mit Übernachtung in einer Ferienwohnung oder
  • übernachten auf dem Campingplatz machen
  • ein Gasthaus aufsuchen
  • die Verwandten einladen
  • den Geburtstag mit einer Party feiern
  • unsere Kinder mit einer Gruppe anderer Kinder auf den Spielplatz schicken
  • mit anderen unbeschwert Fußball spielen

Wir können nicht mehr:

  • unbeschwert zur besten Freundin rübergehen
  • entspannt einen Termin beim Frisör oder der Massage wahrnehmen
  • Büro- und Verwaltungsräume, aufsuchen
  • Beratungs-und Organisationsstrukturen unkompliziert aufsuchen
  • beim Arzt im Wartezimmer bedenkenlos in den Zeitschriften blättern
  • einkaufen und bummeln gehen
  • singend am Gottesdienst teilnehmen

Selbst auf den Straßen gehen wir uns aus dem Weg.

Treffen wir einen guten Bekannten, halten wir im Gespräch Abstand, dann passt ein Auto noch zwischen uns, während wir uns draußen bei nasskaltem Wetter zu unterhalten versuchen.

Die Schulhöfe wirken leer und trostlos, obwohl einige Schüler*innen zu sehen sind. Die Städte sind grau und farblos geworden.

 

Es sind notwendige Maßnahmen, um unsere menschliche Gemeinschaft zu schützen. Die meisten von uns spüren eine soziale gesamtgesellschaftliche Verantwortung und wollen ihren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten.

 

Welche Folgen haben jedoch die Kontaktbeschränkungen auf unsere Psyche, auf unseren Geist, auf unseren Körper und unser Verhalten?

Was machen diese Maßnahmen langfristig mit uns? Ein Jahr und länger – dies ist eine lange Zeit der sozialen Deprivation. Auswirkungen spüren viele von uns über ihren Gemütszustand und in ihrem Körper. Der ein oder andere beklagt einen „Corona-Koller“.

Und die Kinder? Und die Jugendlichen? Wie geht es ihnen in dieser Zeit? Denn gerade die Kinder wollen alles richtig machen, die Kleinsten wollen Maske wie die Großen tragen, sich die Hände desinfizieren, sich und andere schützen. Und gerade diese so anpassungswillige Altersgruppe erlebt häufig Ohnmacht und Angst, welche von der kindlichen Psyche mit Ängsten und sozialem Rückzug beantwortet werden.

 

Die Landesschulpsychologie NRW betonte vor wenigen Wochen im Rahmen einer Pressekonferenz, dass die Kinder sich nach einem Jahr voller Kontaktverbote immer weiter in sich zurückziehen. Dies beobachten auch die Kinderärzte und schlagen Alarm. Die Kinder würden immer trauriger, immer stiller. Sie würden immer durchscheinender, so der Sprecher der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein, Dr. Axel Gerschlauer.

Wir Psycholog*innen beobachten darüber hinaus, dass sowohl bei den Kindern als auch bei den Erwachsenen das natürliche Bedürfnis nach Gemeinsamkeit verschwindet, Lethargie macht sich breit, Ängste und depressive Symptome zunehmen. Dieser diagnostische Eindruck scheint sich auch in den Aufnahmestatistiken der Kliniken als auch bei den Anfragen um psychotherapeutische Begleitung für Kinder und Jugendliche widerzuspiegeln.

Kinder:

Erst vor ein paar Tagen teilte mir eine Mutter mit: „Er, acht Jahre alt, liegt den ganzen Tag lang auf seinem Bett, ist weinerlich und gereizt, hat keine Lust mehr sich mit seinem Freund zu treffen“.

Diese Kinder brauchen unseren Mut und unsere Zuversicht! Diese Kinder brauchen uns als positive Antreiber: „Los, wir machen jetzt mal etwas Spannendes: eine Abendwanderung ohne Taschenlampe.“ Oder: Zusammen das Lieblingsessen des Kindes kochen, ein Lagerfeuer anzünden, ein Kräuterbeet auf dem Balkon anlegen, sich verrückte Briefe schreiben, Geschichten erfinden, Steine sammeln und bemalen, eine Tapetenrolle mit dem Unhold namens Corona bemalen, eine Flaschenpost losschicken….

Ebenso müssen wir die Kinder schützen vor den ständig neuen Pandemieinformationen – denn das junge Kind kann die entsprechenden Nachrichten noch nicht einordnen und relativieren. Stattdessen erlebt es sich und seine Familie als akut bedroht bei gleichzeitiger Ohnmacht im Handeln.

 

Und die Teens?

Eine Jugendliche versuchte mir vor Kurzem klarzumachen, dass „Corona nicht aufhört, nein, das glaube ich nicht!“

Gerade diese Gruppe braucht dringend ihre Bezugspersonen, ihre Rituale, welche ihnen Halt und Orientierung geben in einer besonderen Entwicklungsphase. Gerade diese Gruppe, welche nicht immer durch wohlmeinende Erwachsene gut zu erreichen ist, braucht sinnhafte Beschäftigung in dieser Zeit: der kleine Nebenjob, der Sport mit dem Vater oder den Freunden, die ausgedehnten Radtouren, der Hund der Nachbarin, welcher ausgeführt werden will, ein intensives Gespräch mit einer vertrauten Person.

Auch bei den Erwachsenen gehen die Auswirkungen der Kontakteinschränkungen nicht spurlos vorbei: Einsamkeit, finanzielle Nöte bedingt durch Kurzarbeit oder Betriebsschließung, zu viel nicht gefüllte Zeit, fehlende Ablenkung über Sport und Freizeitangebote, körperliche und mentale Trägheit.  Das körperliche Wohlbefinden und die Fitness sind beeinträchtigt, die psychischen Befindlichkeitsstörungen schlagen sich in körperlichen Symptomen nieder: Ruhe- und Schlaflosigkeit, übermäßige Alkohol- und Kalorienzufuhr, Verspannungen, vegetative Symptome wie Herzrasen, Kopfschmerz, Schwindel.

Dies alles sind keine guten Nachrichten. Jedoch: Wir sind in der Lage, diese besondere und herausfordernde Zeit gut und unbeschadet zu bestehen, denn wir verfügen über ein in uns liegendes Rüstzeug an Ressourcen, mit welchen wir die Defizite ausgleichen können.

 

Wie? Indem wir…

  1. zwei Mal täglich für mindestens 20 Minuten raus gehen an die frische Luft.
  2. uns mehrfach die Woche mit Entspannungs-/Atemverfahren wie Yoga, Pilates und autogenem Training beschäftigen – es gibt reichlich Anleitungen auf CDs, im Netz und auch bei Anbietern vor Ort (Online-Kurse).
  3. Kontakt zu anderen aktiv suchen, medial oder real.
  4. unsere alten Gesellschaftsspiele wie Puzzle, Schach oder Kartenspiele wieder reaktivieren.
  5. die Konfrontation mit den täglichen Nachrichten und Pandemieberichten deutlich einschränken.
  6. ehrenamtlich uns für die Nöte anderer einsetzen.

Darüber hinaus…

  1. unsere Schränke entrümpeln und all das tun, was wir eigentlich schon immer mal tun wollten – denn nun ist die Zeit!
  2. uns bewusst feste Zeiten für einzelne unserer Kinder nehmen, denn nun ist die Zeit!
  3. das neue Rezept ausprobieren, ein Hochbeet anlegen, das erste Brot selbst backen – denn nun ist die Zeit!
  4. Briefe handschriftlich schreiben – denn nun ist die Zeit!
  5. die ungelesenen Bücher aufschlagen – denn nun ist die Zeit!

Und schließlich uns immer wieder sehr deutlich daran erinnern, dass auch diese Herausforderung, welche letztes Jahr begonnen hat, ein Ende haben wird!

 

Als Psychotherapeutin weiß ich, dass wir Menschen unglaubliches Leid und massive Einschränkungen gut verarbeiten können, sofern wir über ausreichende Ressourcen verfügen, uns dieser wieder bewusst werden  und sie aktivieren können.

So werden wir auch diese anstrengende Zeit gut bewältigen können, indem wir uns unserer inneren Kräfte und unserer tiefen Zuversicht bedienen, so dass wir gemeinsam diese Krise überstehen werden – ohne Langzeitfolgen!

 

BLB-Gesund im Gespräch mit : Birgit Saßmannshausen

 

Dipl.Psych. Birgit Saßmannshausen

Psychotherapie, Coaching und Tiergestützte Therapie

 

Königsberger Str. 20  57319 Bad Berleburg

Fon: 02751-2385; 0173- 2731458

Email: bi.sassmannshausen@gmail.com

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