Wie gehen ältere Menschen mit der Corona Krise um – im Gespräch mit dem Team der Diakonischen Gemeindearbeit

Wie gehen ältere Menschen mit der Corona Krise um – im Gespräch mit dem Team der Diakonischen Gemeindearbeit

Wie gehen ältere Menschen, die von uns betreut werden,

mit der Krise der Pandemie um?

 

So verschieden, wie die Gesellschaft mit der Pandemie und ihren Auswirkungen umgeht, so unterschiedlich erleben auch die Diakonischen Gemeindemitarbeiterinnen die Reaktionen ihrer Klient*innen, die sie im ambulanten Besuchsdienst beraten und betreuen. Da Kontakte im momentanen Lockdown nur telefonisch und schriftlich möglich sind und es allenfalls mal zu einer Begegnung an der Haustür oder am Fenster kommt, nehmen Einsamkeit und Redebedarf spürbar zu. Dazu kommt die Sorge um Angehörige, Kinder und Enkel – ein Thema, das den alten Menschen sehr auf der Seele liegt. Manche fühlen sich vergessen und sind frustriert, weil es keine Aktivitäten wie Seniorenkreise oder Frauenhilfen mehr gibt, die sonst das Highlight der Woche waren. Die Jahreszeit macht es nicht leichter: Witterungsbedingt kann man jetzt schlecht vor die Haustür gehen, so dass selbst ein Austausch mit Nachbarn aus sicherer Distanz unmöglich ist. Der Wunsch nach persönlicher Nähe und Normalität wird zunehmend größer. Auch die geistige Fitness leidet in manchen Fällen am Mangel von Kontakten und Gesprächen. So gibt es ältere Menschen, die mit Anträgen oder Formalitäten überfordert sind und gerade jetzt Hilfe gut gebrauchen könnten, doch an vielen Stellen fehlen die unterstützenden Netzwerke.

Trotz der großen Einschränkungen sind viele der Senior*innen auch positiv gestimmt und hoffen auf eine baldige Verbesserung der Lage. Bis dahin verhalten sie sich diszipliniert, weil sie die Notwendigkeit der Beschränkungen einsehen. Es gibt sogar die Sorge, dass die Maßnahmen zum Infektionsschutz zu früh gelockert werden könnten. Eine gelassene Haltung rührt auch aus den Kriegserfahrungen, die Menschen aus dieser Generation noch gemacht haben: „Wir haben den Krieg überstanden – die Pandemie schaffen wir auch!“ Sie haben „Schlimmeres“ gesehen, deshalb ist Corona offensichtlich nicht so erschreckend für sie. Die Vorfreude auf die wiederkehrende Normalität ist groß, das ist die Hoffnung, die in den Gesprächen spürbar wird. Hohe Erwartungen werden auch an den Impfstoff geknüpft. Jedoch bereitet die Terminvergabe erhebliche Schwierigkeiten, da die Leitungen völlig überlastet sind und zudem die weite Fahrt zum Impfzentrum nach Siegen-Eiserfeld ein Problem darstellt. Viele können und möchten diesen weiten Weg nicht auf sich nehmen und lieber warten, bis die Impfung irgendwann beim Hausarzt möglich ist.

Zum Glück sind die Menschen, die vom Team der Diakonischen Gemeindemitarbeitenden betreut werden, mit allem gut versorgt, was für den täglichen Bedarf nötig ist. Sie brauchen das Gespräch und sind dankbar für jeden Kontakt, auch wenn er derzeit nur am Telefon möglich ist. Manchmal findet sich im Briefkasten auch ein gemalter oder gebastelter Gruß, eine Andacht, ein Rätsel, ein Anleitung zur Fingergymnastik oder ein schönes Bild. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und solche Aufmerksamkeiten bringen Freude und schenken ein Lächeln. So hat eine ältere Dame sogar geäußert, dass man sich in der Corona-Zeit viel mehr um sie kümmere als sonst. Die Nachbarn rufen an, kommen mal an die Tür und es gibt sogar jemanden, der für sie einkauft. Und das macht Hoffnung!

 

BLB-Gesund im Gespräch mit Barbara Lenz-Irlenkäuser & Team der Diakonischen Gemeindearbeit Wittgenstein.

 

Original-Zitat zum Bild (unten) einer Seniorin aus Wittgenstein:

 

„Hallo Christiane, hab‘ mich gefreut über deine lieben Zeilen, bedanke mich dafür und hoffentlich kannst du auch mal wieder zu mir kommen, wenn diese Geschichte‘ (gemeint ist die Corona-Pandemie) vorbei ist. Herzliche Grüße!